Wissenschaftler, Industrieunternehmen und NGOs protestieren gegen Pläne des südafrikanischen Energieministeriums, den weiteren Ausbau der CSP Technologie zu stoppen

Freitag, 27. Januar 2017

Der aktuelle Entwurf des Integrated Resource Plan 2016 (IRP 2016), der den weiteren Ausbau der Stromerzeugungstechnologien in Südafrika festlegt, sieht nach 2020 keinen weiteren Ausbau von solarthermischen Kraftwerke vor.  Der vorliegende IRP beruhe auf veralteten Kostenannahmen, so die Teilnehmer eines Workshops des südafrikanischen Center for Renewable and Sustainable Energy Studies, der im Januar in Pretoria/Südafrika stattfand. Zudem würden die Vorteile der Anlagen, wie ihre Regelbarkeit und Flexibilität der Stromproduktion nicht ausreichend berücksichtigt. In einer Konsenserklärung an das Department of Energy haben die Workshopteilnehmer die Argumente für den weiteren Ausbau von solarthermischen Kraftwerken in Südafrika zusammengefasst.

Der im November veröffentlichte IRP2016-Entwurf des südafrikanischen Energieministeriums war das Hauptthema des Treffens. Werden die Pläne des Ministeriums Realität, dann entstehen in Südafrika nach 2020 keine neuen konzentrierenden Solarkraftwerke (engl.: CSP = Concentrating Solar Power) und die CSP-Stromlieferungen laufen bis 2050 komplett aus. Alternativ plant das Energieministerium den Ausbau  von Nuklearenergie und Kohlekraftwerken im Land.

Diese Strategie halten die Teilnehmer des Workshops für falsch. Die von ihnen in Pretoria präsentierten Studien zum südafrikanischen Stromsystem kamen einheitlich zu einer Schlussfolgerung:  es gibt in Südafrika keine Notwendigkeit für den Bau neuer Kohle- oder Atomkraftwerke.

Für die Teilhabe der CSP-Technologie an einem kostenoptimierten südafrikanischen Stromnetz sprechen die technologischen und wirtschaftlichen Vorteile von konzentriertem Solarstrom. In ihrer Konsenserklärung nennen die Delegierten die folgenden Argumente für einen wesentlichen Anteil von CSP an der zukünftigen Stromversorgung Südafrikas und für entsprechende Änderungen im IRP 2016-Draft:

  • Solarthermische Kraftwerke mit integriertem Speicher können regelbar und flexibel lokal erzeugten Strom bereitstellen. CSP-Strom ergänzt die Stromlieferungen aus den erneuerbaren Energiequellen Windkraft und PV und ermöglicht es sogar, deren Anteil am Strommix zu erhöhen.
  • Die Kosten für Strom aus solarthermischen Kraftwerken werden weiter sinken. CSP-Forscher halten für die USA eine Kostensenkung  auf 6 US-Cent/Kilowattstunde bis zum Jahr 2020 für möglich. (Quelle: SunShot-Initiative des U.S. Department of Energy)
  • Eine ähnliche Kostensenkung könnte auch Südafrika erreichen, wenn ausreichend große Kapazitäten für CSP-Kraftwerke im IRP2016 aufgenommen werden.
  • Die CSP-Kostenannahmen, die den Szenario-Berechnungen des IRP2016-Draft zugrunde liegen  reflektieren nicht die tatsächlichen Kostensenkungen der letzten Ausschreibungsrunde für den Bau von solarthermischen Kraftwerken in Südafrika (RE IPP Bid Window 4 Expedited, Nov 2015). Für das Jahr 2030 ist die  Kostenannahme um 20 Rand Cent höher als die tatsächlichen Kosten und liegen rund 240 Prozent (130 Rand Cent) über dem Kostenziel des US-Amerikanischen Department of Energy.
  • Der Bau von CSP-Kraftwerken in Südafrika hat die Entwicklung einer lokalen CSP-Industrie beflügelt, so dass der Anteil der lokalen Wertschöpfung an den Kraftwerksprojekten sogar höher ausfiel als die Zielvorgabe des REIPPP (Renewable Energy Independent Power Project Procurement Program). Zum Erhalt dieser lokalen Industrie ist es erforderlich CSP im IRP 2016 entsprechend zu berücksichtigen.
  • Für den Vergleich von CSP mit PV und Windkraft genügt es nicht, alleine die Stromerzeugungskosten zu betrachten, da diese keine Bewertung der Flexibilität der Stromeinspeisung ins Stromnetz enthalten.
  • Um den Wert von CSP-Strom für das südafrikanische Stromnetz korrekt zu ermitteln, sollten die Szenario-Berechnungen solarthermische Kraftwerke als flexible Stromlieferanten bewerten, ebenso wie zum Beispiel Gasturbinenkraftwerke,  Gas- und Dampfturbinenkraftwerke oder Kohlekraftwerke.
  • CSP reduziert das Risiko von Kostensteigerungen von importiertem Diesel, Erdgas und lokal gefördertem Schiefergas. Die Gründe für die Preisschwankungen der Importe sind einerseits Veränderungen des internationalen Preisniveaus von Erdgas/Öl sowie Wechselkursänderungen vom Rand zum US-Dollar.
  • Das REIPPP brachte Südafrika Investitionen in Höhe von 192 Mrd. Rand (12,8 Mrd. US-Dollar) in die Energieinfrastruktur. Die sieben bis dato genehmigten CSP-Kraftwerke haben daran einen Anteil von rund 28 Prozent, wobei der gesamte volkswirtschaftliche Effekt  noch nicht berücksichtigt ist.

Die Verfasser der Konsenserklärung vertrauen darauf, dass das südafrikanische Department of Energy und der südafrikanische Energiekonzern ESKOM ihre Argumente sorgfältig prüfen und bei der Entwicklung der Strategie für die zukünftige Stromversorgung Südafrikas im IRP 2016 berücksichtigen.

Links:

Konsenserklärung als Download

Offizielle Website des südafrikanischen Integrated Resource plan IRP 2016