15.6.2016 – Allgemeine Zeitung Namibia: „Grüne“ Option vorgeschlagen

Von Clemens von Alten, Windhoek

Vom Kohle- zum Solarkraftwerk – Öffentliche Treffen angesagt

Vor rund vier Jahren wurden Pläne zum Bau eines Kohlekraftwerks bei Arandis bekannt. Im Zuge der allmählichen Orientierung zu nachhaltigeren Energiequellen gibt es nun ein neues bzw. „grünes“ Konzept: konzentrierte Solarenergie, die zwar weniger, aber nachhaltige Elektrizität erzeugt.

Im August 2012 wurde dem staatlichen Stromversorger NamPower per ECC-Bescheinigung (Environmental Clearance Certificate) genehmigt, nordöstlich von der Ortschaft Arandis in der Region Erongo ein Kohlekraftwerk mit einer Leistung von bis zu 800 Megawatt (MW) zu errichten. „Dieses Projekt wurde auf Eis gelegt und NamPower plant nun, ein solarbetriebenes Kraftwerk zu errichten“, heißt es in dem Änderungsentwurf der Studie zu den ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen, mit der die Firma Aurecon beauftragt wurde.

Die geänderte Studie befasse sich nun mit dem Bau eines Kraftwerks, das nicht mit Kohle, sondern mit konzentrierter Solarenergie (Concentrated Solar Power, CSP) betrieben werden und bis zu 300 MW liefern soll; bei Bedarf könne die Anlage mit Photovoltaik-Technologie (PV) kombiniert bzw. erweitert werden. Neben Leistung und Technik gibt es auch große Unterschiede in der Infrastruktur: Bei einer CSP-Anlage kann auf einen Bahngleiszugang verzichtet werden, aber mit mehr als 1370 Hektar benötigt die Solarvariante rund 720 Hektar mehr Platz als ursprünglich für das Kohlekraftwerk vorgesehen war.

Gegenüber Photovoltaik – wo Sonnenlicht mit Modulen aufgefangen und direkt in Elektrizität umgewandelt wird – hat konzentrierte Solarenergie den Vorteil, dass die generierte Energie in Form von Hitze gespeichert werden kann, um Elektrizität zu erzeugen, wie Aurecon erklärt; das Konzept nennt sich thermischer Energiespeicher (Thermal Energy Storage, TES). Das wird durch die Technik ermöglicht: Bei CSP-Anlagen wird Sonnenlicht von Spiegeln gebündelt, um Hitze zu generieren, die schließlich eine Dampfturbine antreibt und so Elektrizität erzeugt.

Eine CSP-Variante nennt sich „Solar Power Tower“, wie Aurecon schreibt: Ein 200 bis 250 Meter hoher Turm ist von bis zu 70000 Spiegel-Vorrichtungen (Heliostaten) umringt, die das Sonnenlicht bündeln und auf den Turm projezieren, wobei Temperaturen von bis zu 600 Grad Celsius . Die andere Option, die NamPower Aurecon zufolge in Betracht zieht, ist die Parabolrinne: Dabei werden riesige gekrümmte Hohl- bzw. Parabolspiegel errichtet, die Sonnenstrahlen bündeln; entlang des Brennpunktes dieser Reflektoren befindet sich ein Rohr, das einen geeigneten Wärmeträger (meist Öl) enthält, der erhitzt wird, um damit eine Dampfturbine zu betreiben, die schließlich Strom erzeugt.

Mehr Informationen sowie die Möglichkeit, sich mit den Autoren der geänderten Studie auszutauschen, wird der Öffentlichkeit bei öffentlichen Treffen geboten, die vom 20. bis 23 Juni u.a. in Swakopmund und Windhoek stattfinden. Der Entwurf zur Berichtsänderung kann in den öffentlichen Bibliotheken von Arandis, Swakopmund und Walvis Bay sowie im NamPower-Büro (Windhoek, Lutherstraße 15) eingesehen werden; elektronische Kopien können unter diesem Link auf unserer AZ-Internetseite heruntergeladen werden: http://bit.ly/25V3hFa.

Link zum Artikel: http://www.az.com.na/energie/gr-ne-option-vorgeschlagen.434737